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Apotheker Jan-Christoph Grimm
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Heilpflanze des Monats

Das Maiglöckchen ist allgemein bekannt als Frühlingsbote, weniger aber als Heilpflanze...

Das Maiglöckchen - Convallaria majalis L.

Das Maiglöckchen findet sich zumeist als Zierpflanze in Gärten und Parks. Wild ist es ursprünglich heimisch in Europa, nun aber auch in Kleinasien, China, Japan und Nordamerika verbreitet.

Die kleinen, meist weißen Blüten sind glockenförmig und bilden mit 5 bis 13 Blüten eine Traube. Unverwechselbar ist auch ihr Duft.

Vor allem die Blüten, aber auch alle anderen Pflanzenteile, enthalten herzwirksame Glykoside, die bei entsprechender Dosis stark giftig wirken. Da es immer wieder zu Vergiftungen vor allem bei Kindern kommt, wird vom Bundesumweltministerium empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen, die Kindern leicht zugänglich sind, wachsen zu lassen.

Wo kann das Maiglöckchen helfen?
Zubereitungen aus dem Maiglöckchen werden ähnlich denen aus Fingerhut bei Altersherz, leichter Herzschwäche und Cor pulmonale (= Rechtsherzhypertrophie) angewandt. Das wirksame Prinzip bilden herzwirksame Glykoside, die nur eine geringe therapeutische Breite aufweisen, d.h. dass die erwünschte Wirkung nahe an der toxischen Grenze liegt. Solche Fertigarzneimittel sind noch unter gesetzlichen Übergangsvorschriften erhältlich, da die Untersuchungen zu Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit noch nicht abgeschlossen sind.

Eine nachlassende Herzleistung ist kein Beschwerdebild, das im Rahmen einer Selbstmedikation behandelt werden kann! Zudem müssen die Beschwerden erst durch einen Arzt abgeklärt werden. Bei der Herzinsuffizienz z.B. handelt es sich um eine ernste Erkrankung, für die wesentlich wirkungsvollere Medikamente zur Verfügung stehen. Zur Vorbeugung oder bei plötzlichen Beschwerden eingenommen sind solche pflanzlichen Zubereitungen außerdem nutzlos.

Worauf ist unbedingt zu achten?

Zubereitungen aus Maiglöckchen sind nicht anzuwenden

  • während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern
  • wenn bereits ein anderes Arzneimittel eingenommen wird, das Herzglykoside enthält
  • bei schwereren Störungen der Herzleistung (Herzinsuffizienz NYHA III und IV)
  • bei zu langsamen Herzschlag (Bradykardie) oder ventrikulären Tachykardien
  • bei Störungen des Elektrolythaushalts wie zu hohe Calciumblutspiegel oder zu niedrige Kaliumblutspiegel
Da die therapeutische Breite gering ist, sollten nur Zubereitungen eingenommen werden, die auf einen bestimmten Gehalt an herzwirksame Glykosiden eingestellt sind.

Bei Hyperkalzämie oder Hypokaliämie werden die toxischen Wirkungen verstärkt.

Wechselwirkungen
Gefährliche Wechselwirkungen können bei gleichzeitiger Behandlung mit Medikamenten entstehen, die den Elektrolythaushalt stören können, z.B. Diuretika, bestimmte Abführmittel oder Glucokortikoide oder Medikamente, die auf den Herzschlagrhythmus wirken, wie z.B. Chinidin. Informieren Sie sich vor Behandlung bei Ihrem Arzt oder Apotheker!

Symptome einer Vergiftung bzw. Überdosierung
Nachfolgend einige Hinweise, um eine eventuelle Vergiftung oder Überdosierung – gerade bei Kindern – erkennen zu können:

Eine Vergiftung oder Überdosierung äußert sich zunächst in Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Störungen des Farbsehens und raschem Puls. Schwere Vergiftungen führen zunächst zu Blutdrucksteigerung, dann -abfall und Herzrhythmusstörungen. Eine schwere Vergiftung durch den Verzehr z.B. der Beeren ist glücklicherweise selten, da die herzwirksamen Glykoside durch den Magen-Darmtrakt nur schlecht aufgenommen werden. Eine medizinische Betreuung ist aber in jedem Falle notwendig. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an den Giftnotruf!

Bild: Isolde Altersberger, Henriette Kress

Quelle: www.heilpflanzen-suchmaschine.de
© Mit freundlicher Genehmigung von HEXAL AG

blühendes Maiglöckchen